Jeder Mensch braucht kulturelle Bezugspunkte, um seine individuelle Identität zu entwickeln,
um sich mit einer Gemeinschat zu identifizieren. Der gesellschaftliche Nutzen künstlerischer
Arbeit liegt darin, dass die Künste uns helfen, Denklockaden zu überwinden und Auswege
aus gesesellschaftspolitischen Sackgassen zu finden
Zu diesem Zweck
bildet die künstlerische Reflexion nie die
wirkliche Welt ab, vielmehr spielt der Künstler
mögliche Interpretationen von Welt und Mensch
durch, lebt sie vor, macht eine veränderte
Welt öffentlich begreifbar und erlebbar,
eine Welt, wie sie sein könnte, eine Welt,
wie sie sein sollte. Der Künstler erreicht
die Menschen über die Sprache der Zeichen
und Symbole.
Sein
schöpferischer Geist und diese Sprache
ermöglichen es dem Künstler, mehr
als die blosse Realität auszudrücken,
etwas zu zeigen, das man auf den ersten Blick
nicht sieht, etwas hervorzustreichen, das
zwischen den Zeilen steht, und den Blick hinter
ein Bild zu führen. Das heisst:
Wir sind umso realitätstauglicher, je
symbolisierungsfähiger wir sind.
Wer die Sprache der Kunst versteht, das heisst, wer auf Grund seiner Lebenserfahrung
und seiner Intuition künstlerische Symbole zu entziffern vermag, nimmt also auch mehr
wahr als die blosse Wirklichkeit. Wir brauchen eine kulturelle Vergangenheit, um die
Gegenwart erklären und Strategien für die Zukunft entwickeln zu können